Unterwegs mit den Mitarbeitern des Bauamtes
Dorfmagazin Suhrplus, 27. Februar 2026, Text: Pascal Nater
Die Gemeinde im Schuss halten
Der Arbeitstag beginnt früh im Bauamt. Rund um den Werkhof am Mühleweg ist es noch ruhig. Bereits kurz vor sieben ziehen sich die zehn Mitarbeiter des Bauamtes das orangefarbene Arbeitsgewand über. Nach einem Kaffee und einer kurzen Besprechung im Pausenraum gehen sie an die Arbeit. Und die ist meistens: Draussen. Die handwerklichen Generalisten des Bauamtes halten den öffentlichen Raum im ganzen Gemeindegebiet in Schuss: Sie unterhalten und reinigen die öffentlichen Strassen; sie wässern, mähen und schneiden Bäume, Grünräume und Sportplätze; sie halten Schulhausplätze, Holzbänke oder Strassensignalisationen in Schuss; sie leeren die Abfallkübel, entfernen Graffitis und betreiben die Entsorgungsstellen.
Innerhalb von zehn Minuten ist der Baum weg
Heute muss ein alter Nussbaum beim Südeingang des Sereal-Schulhauses gefällt werden. Er ist krank, hat im Frühling nicht mehr ausgetrieben. Der Gärtner Yannick Eichholzer und der Fachmannn Betriebsunterhalt Jarco Schlatter holen Leiter, Schutzhelm und Motorsäge aus dem Geräteraum. Jarco fährt den Traktor mit der Mulde die zweihundert Meter vom Werkhof zum Schulhaus. Yannick steht mit Leiter und Motorsäge schon dort bereit. Nach einem kurzen Blick auf den Busfahrplan legen die beiden los. Sie haben zehn Minuten Zeit, bis der Viererbus vorbeifahren muss. Jarco sperrt vorübergehend die Strasse, Yannick setzt die Motorsäge an und nach vier Minuten sind schon drei Dicke Äste der Baumkrone weg. In die Fallseite des übrigbleibenden Baumstammes sägt Yannick eine Kerbe, macht auf der Schulhausseite den Fällschnitt und schon kracht der Baum auf die Strasse. Nur der Strunk bleibt übrig: Der Gärtner zeigt mir, wie der Stamm von innen heraus gefault hat. Es bleiben zwei Minuten bis zum Bus. Yannick zerkleinert die Äste, Jarco wirft sie in die Mulde. Der Bus kommt angefahren, jetzt bläst Jarco die letzten kleinen Zweige mit dem starken Laubbläser weg und der Verkehr kann wieder passieren.
Caprisonne am Regentag
Um Punkt Neun kommen die Männer von ihren verschiedenen Baustellen fürs Znüni kurz in den Werkhof zurück. Jeder hat seinen Platz, die Stühle sind angeschrieben. Viele Mitarbeiter sind schon jahrelang im Betrieb. Es ist eine schöne und befriedigende Arbeit, sind sie sich einig. Man sieht Ergebnisse. Und die Bevölkerung ist dankbar für ihren grossen Einsatz - nur selten beklagt sich jemand. Viel eher müssten sich die Männer im orangen Gwändli beklagen – und mit ihnen die Steuerzahler:innen. Viel Arbeit entsteht nämlich erst durch das bedenkenlose Wegwerfen von Abfall, durch Schmierereien an Wänden und mutwillige Zerstörung an Signalisationen oder auf dem Schulhausplatz. Die Mitarbeiter müssen dies wegstecken und die Faust im Sack machen. Es bleibt ihnen nichts übrig als Wegräumen, Putzen und Instandsetzen. «Manchmal sage ich schon etwas», sagt Ruedi Bertschi. Er ist stellvertretender Leiter des Bauamtes. «Aber manchmal lobe ich auch und danke einer Gruppe Schülerinnen, wenn ich sehe, wie sie beim Abfallkübel kurz stehenbleiben, um auszutrinken und die Caprisonne in den Kübel zu werfen.»
Arbeit am Schärmen ist selten
Er hat Glück und hat am heutigen Regentag eine „Schärmenarbet“, die gemacht sein muss. Er ersetzt die Bretter eines Holztisches, der am Aussichtspunkt oben am Suhrerchopf steht. Die kleine Schreinerei steht im ersten Stock des Werkhofes. Dort sind auch ein Büro- und ein Pausenraum, die Garderobe und eine kleine Schlosserei. An den Wänden hängt der Entsorgungskalender, ein Poster mit allen Strassensignalisationen und eine lange Liste aller Arbeitsgebiete des Bauamtes. In der Garage im Erdgeschoss sind all die tollen Fahrzeuge sowie das Werkzeug- und Gerätelager untergebracht. Da sammeln sich Kindheitsträume.
Das Wischfahrzeug mit dem starken Sauger
Ein kleiner Kindheitstraum soll heute in Erfüllung gehen: Ich darf auf eine Tour mit dem kleinen orangen Wischfahrzeug. René Thut nimmt mich auf dem Beifahrersitz mit. Im Innern des dieselbetriebenen Fahrzeugs herrscht Konzentration. René Thut manövriert das schmale Fahrzeug geschickt über das Trottoir. Mit einem Joystick steuert er die vordere Rundbürste und führt sie behutsam zentimetergenau den Randsteinen entlang. Die zwei weiteren Bürsten führen Abfall, Abrieb und Kies einem riesigen Sauger am Unterboden zu, der Festkörper wie Wasser mit einer enormen Leistung hoch in die Kippmulde saugt. Damit das funktioniert, muss der Fahrer die horizontale Lippe des Saugers stets mit so wenig Abstand wie möglich über dem Boden balancieren, damit er einen sichtbar sauber gereinigten Streifen hinter sich nachzieht. Eine Bodenkamera hat er dazu stets im Blick. René Thut fährt mit System die Strassen der Quartiere ab. Für alle öffentlichen Strassen auf dem Gemeindegebiet hätte er bei besten Wetterbedingungen sicher eine ganze Arbeitswoche. Nach ein paar hundert Metern ist der Kipper je nach Verschmutzung angefüllt. René Thut fährt an die Buchserstrasse, wo das Bauamt neben dem Feuerwehrmagazin ein kleines Depot hat, und kippt den aufgesaugten Inhalt in die Mulde. «Das kommt dann auf die Deponie.» Die Arbeit ist vielleicht körperlich nicht anstrengend, «aber am Feierabend bin ich im Kopf müde! Ich muss ausgeschlafen zur Arbeit kommen, sonst funktioniert das nicht!».
Es gibt viele Reaktionen
Kinder reagieren immer sehr auf das orangefarbene Fahrzeug. «Für die ist das ein Highlight.» Das Wischfahrzeug arbeitet, blinkt und macht. «Sie bleiben stehen und vergessen alles rundherum.» René Thut kann kurz lächeln und winken, dann muss er weiterfahren. War das Wischfahrzeugfahren auch für ihn ein Kindheitstraum? «Nein, eigentlich wollte ich Elektriker werden.» In der Oberstufe kam damals der Werkstattleiter der Stadt Aarau vorbei und hat den Betriebsunterhalt-Beruf vorgestellt. René Thut hat dann nach der Schule eine Lehre als Betriebspraktiker in Villigen gemacht. Jetzt arbeitet er seit 22 Jahren bei der Gemeinde Suhr. Es gibt Arbeiten, die macht er lieber, andere weniger. «Beim Vandalismus kämpfst du halt gegen Windmühlen.» René Thut ist im Team der Spezialist für das Entfernen von Graffitis. «Ich kann noch so putzen, es sieht halt nie mehr wie neu aus. Er muss es hinnehmen. «Mittlerweile weiss ich, ich kann die Welt nicht verändern.»
Sorg hebe
Die Mitarbeiter des Bauamtes können vielleicht die Welt nicht verändern, aber sie tun ihr Bestes, unsern gemeinsamen Raum gepflegt zu halten. Sie freuen sich über kleine Gesten der Dankbarkeit und haben nur einen einfachen Wunsch: «Hebed de Sache i de Gmeind Sorg!»